Als nächstes Ziel unserer Weltreise stand Neuseeland auf dem Plan. Da wir aber nur zwei Wochen für die Kiwis eingeplant hatten, entschieden wir uns nur die Südinsel zu erkunden. Rund 3000km legten wir in diesen 14 Tagen in unserem gemieteten, knalligen Jucycamper zurück.
Nach etwa sechshundert Kilometern, hatten wir die Möglichkeit Seelöwen hautnah am Strand liegen zu sehen. Zielstrebig marschierten wir auf diese Fleischberge zu, machten Fotos aus zwei Meter Entfernung und amüsierten uns über die ungelenkigen Bewegungen des dicken Paares. Auf dem Rückweg zum Auto sahen wir dann die Hinweisschilder, dass man den Seelöwen aus Sicherheitsgründen nicht näher als zehn Meter kommen sollte. No risk, no fun - die Fotos waren es wert.
Einige Tage später kamen wir am Milford Sound an.
Wir hatten leider keine andere Wahl als direkt vor dem berühmten Mitre Peak zu übernachten, obwohl das strengstens untersagt wurde. Dieser begrüßte uns am Nächsten Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Wir entschieden uns für eine Cruise auf dem Sound per Schiff ("Sound" ist übrigens die Bezeichnung der Fjörde in Neuseeland). Wir sahen zahlreiche Wasserfälle, von denen zwei so nah angesteuert wurden, dass wir eine Dusche nehmen und die Jacken auf Wasserfestigkeit testen konnten. Außerdem
konnten wir Seehunde zum ersten Mal in freier Wildbahn beobachten. Und was wäre ein Besuch in Neuseeland ohne der obligatorischen Wanderung? Untrainiert wie wir waren, keuchten wir wie zwei Dampfloks als wir oben ankamen, wo wir mit einer wunderschönen Aussicht auf einen ruhigen Bergsee belohnt wurden. Die Strapatzen hatten sich wirklich gelohnt.
In den Folgetagen machten wir Bekanntschaft mit den lästigsten Bewohnern Neuseelands, den Sandfliegen. Diese Biester sind zwar winzig klein, verursachen aber einen Juckreiz der über zwei Wochen anhält und Spuren die man einem Monat später noch sieht.
Unweit von Queensland haben wir uns für einen Hotride in einem Schnellboot auf einem Fluss entschieden. Außer uns, waren die restlichen Passagiere nur Südkoreaner, die anderen haben genug Action in ihrem eigenen Land. Warum diese Menschen immer nur in Riesengruppen reisen, bleibt für uns eines der Geheimnisse das wir nie verstehen sollen. Unser Fahrer drehte wahnsinnige Pirouetten und schrammte in Haaresbreite an Felsen vorbei, dass wir richtig Muffensausen hatten. Aber gefallen hat es trotzdem allen sichtlich.
An der Westküste entlang, fuhren wir an Wolken
verhangenen und total verregneten Gletschern bis in den Norden zum Abel Tasman Nationalpark. Hier hatten wir eine zweitätige Kajaktour gebucht. Mit randvoll bepackten Kajaks paddelten wir die Strände im Abel Tasman Park entlang. Schon nach kurzer Zeit sahen wir einen kleinen Blaupunguin. Weil wir ja immer genau mittendrin statt nur dabei sein wollen haben wir hin fast über den Haufen gepaddelt. Außer Blaupinguinen lebten entlang des Nationalparks viele Seehunde die wir aus nächster Nähe bestaunt haben. Durch zahlreiche Stopps an wunderschönen Stränden mit leckeren Snacks konnten wir uns immer wieder von der Anstrengung erholen. Nach fünf Stunden Oberarmtraining kamen wir dann am gewünschten Campingplatz an und schlugen das Lager für die Nacht auf. Unmittelbar vor dem leckeren Abendessen brach unweit unseres Lager ein Buschfeuer aus. Geistesgegenwärtig griffen sich alle Camper irgendwelche Behälter mit Wasser und schafften es mit viel Mühe den Brand zu löschen. Es stellte sich heraus, dass ein Schulkind aus einer anderen Gruppe, mit einem Feuerzeug gespielt hatte. Ich war nur froh in diesem Moment nicht ihre Lehrerin gewesen zu sein.
Am nächsten Tag und im gleichen Ort
buchten wir schließlich den Skydive. Denn was wäre ein Neuseelandbesuch ohne dem obligatorischen Sprung aus einem Flieger. Zum Glück ging alles sehr schnell. Keine 15 Minuten nach unserer Ankunft in der Flugschule, waren wir auch schon oben und wenige Minuten später saßen wir an der Absprungkante und blickten vier Kilometer in die Tiefe. Der freie Fall dauerte 45 Sekunden, war richtig cool (!) und tatsächlich nur halb so schlimm wie angenommen. Schlimmer war der Part als der Schirm sich öffnete und unser Tandem-Buddy angefangen hat Kreise zu drehen. In diesem Moment wollten wir uns das Frühstück nochmal durch den Kopf gehen lassen :)
Einen Tag später saßen wir wieder im Flieger, diesmal Richtung Königreich Tonga. Dem Land, von dem wir nie gedacht hätten es jemals bereisen zu können.
Später mehr davon :)
viele Grüßedie Rumtreiber
Wir hatten endlich einen Job, diesmal in
einer Gärtnerei und waren der Gesellschaft somit wieder nützlich. Wir holten noch zwei deutsche Backpacker von einem Hostel in Brisbane ab und machten uns auf den Weg nach Park Ridge, wo immer das auch liegen sollte. Eine Stunde später war klar, dass der Jobvermittler nicht weniger hätte versprechen können, wir waren tatsächlich irgendwo im Nirgendwo. Angekommen in einem riesigen Haus mitten im Grünen, begrüßten uns drei andere Backpacker und ein Haufen dreckiger Bettwäsche. Nach einer gründlichen Putz -und Waschaktion war das schmucke Häuschen wieder richtig sauber und bewohnbar.
Die Arbeit begann um 6:30 Uhr, was für uns Deluxe-Backpacker Anfangs echt hart war. Die gesamte Mannschaft versammelte sich zur Arbeitseinteilung im Headquarter wo uns Laszlo, ein freundlicher und zotteliger Hippieverschnitt in Armeehosen, in die Kunst der Corniferenzüchtung einwies. Meist mussten wir in Gewächshäusern, korrigiere "Schweißhäusern", mikroskopisch kleine Pflanzenstummel in noch kleinere Löcher stecken. Nach wenigen Stunden der Sysiphusarbeit (95% der Stecklinge gehen ein) waren wir im eigenen Saft gebadet und sahen alles durch einen roten Schleier der Frustration. Um so überraschender war, als alle Neulinge zustimmten bis 20 Uhr durch zu arbeiten. Wir waren eben jung und brauchen das Geld. Erfrischt durch gelegentliche Düngerduschen aus der Bewässerungsanlage, standen wir uns bis spät in den Abend die Beine in den Arsch. Eine willkommene Abwechslung war der Tumult, als wenige Meter weiter eine Brownsnake (zweitgiftigste Schlange der Welt?) vor unseren Augen geköpft wurde. Am Ende des ersten 14-Stundentages brannten uns die Fußsohlen und wir fielen erschöpft ins Bett, in Vorfreude auf den nächsten Tag, denn da war Australia Day, DER Nationalfeiertag.
Australia Day verbrachten wir in Brisbane an einem künstlich angelegten Strand mit Blick auf die Skyline. Leider hatte ganz Brisbane die selbe Idee und so waren Bademöglichkeiten und Strand gepflastert mit glänzenden Leibern. Das Wasser hatte bereits einen sanften Urinton angenommen und in der Luft lag eine feine Brise von Amoniak und Chlor. Weil Franziska immer noch nicht wie 21 aussah, war es auch nicht gerade einfach an Alkohol ran zu kommen, ganz abgesehen davon, ohne Ausweis in eine Bar rein zu kommen. Also lungerten wir auf dem Rasen rum und genossen das lustige Treiben um und über uns.
Am Folgetag machten wir uns wieder an die Arbeit um fleißig Geld für die Weiterreise zu sparen und wieder stand das Angebot bis 20 Uhr zu arbeiten. Immer noch leicht angeschlagen vom ersten Arbeitstag entschied Franziska für die gesamte Backpackergruppe, dass Überstunden, aller Schmerzen und Schweißbäder zum Trotz, sein müssen. An den Folgetagen wurde nur noch Franziska gefragt wie es mit Überstunden aussähe, denn sie war nun inoffiziell der Sprecher der Gruppe.
Mit der Zeit wechselten die Aufgaben. Franziska ist zur Vorarbeiterin aufgestiegen und durfte Aufträge abwickeln und wir Jungs hatten täglich wechselnde Jobs. Angefangen beim Blumenbeete präparieren, Erde schleppen, Löcher bohren, Traktoren aus Urgroßvaters Zeiten fahren, bis hin zum Beziehen neuer Dächer der Gewächshäuser. Der schweißtreibendste aller Jobs war jedoch, Kisten mit Erde in das heißeste aller Gewächshäuser zu schleppen. Drinnen waren es 48°C und gefühlte 99% Luftfeuchtigkeit. Überraschenderweiße bin ich bei diesem Job zur Höchstform aufgelaufen. Das war die Art Schinderei, die ich mir fern des mollig angenehmen Büros, erhofft hatte. Nach 14 Stunden der Plackerei, beim Feierabendbier, war ich froh zu wissen, weshalb ich so gerädert war. Ich schlief wie ein Baby.
Die Wochen vergingen und wir sparten gutes Geld, denn viel ausgeben konnte man in dieser Gegend nicht. Ab und an gönnten wir uns einen Kinoabend, gingen nach Brisbane in einen Club, luden unsere Schweizer Freunde Nathalie und Adrian ins Haus ein, und besuchten den Australia Zoo.
Dieser war durch und durch das Erbe des verstorbenen Steve Irwin. Überall waren Poster und Skulpturen von ihm und der Familie. Wir hatten sogar eine zufällige Begegnung mit seiner Frau und ließen uns die Chance auf einen Celebrityschnappschuss nicht nehmen. Beim must-have-Foto mit einem Koala auf dem Arm seufzte die Menge ganz angetan als Franziska den süßen Wollknäuel auf den Arm nahm. Ich vermute wir wirkten wie eine kleine Familie, nur mit einem sehr haarigen Baby. Die Vogel -und Krokodilshow war sehr aufwändig inszeniert und gefiel allen sichtlich. Einzig die Koalashow irritierte uns, als sich eine große Meute Schaulustiger um das Koalahaus versammelte und die putzigen Tierchen aus vier riesigen Lautsprechern vollgelabert wurden. Koalas schlafen ca. 20 Stunden am Tag, sehen schlecht und hören dafür ausgezeichnet. Da ist so eine Beschallung sicher genau das Richtige für ihre pelzigen Dumboohren. Alles in Allem ist der Zoo aber schön aufgemacht, sehr sauber, man kann Känguruhs füttern und sieht schon mal einige rechtsradikale Lizards frei durch den Zoo huschen.
Mit der Zeit erkannten wir, dass unser Haus immer mehr von der Natur eingenommen wird. So hauste bereits vor unserer Ankunft das Possumweibchen Paula in unserem Bad. Sie überraschte einen auf der Toilette und legte stets ihren Schlafzimmerblick auf, wenn man unter der Dusche stand. Hinter dem Haus lebte eine ungefährliche 2-Meter-Teppichpython, in den Bäumen hingen saisonbedingt Flughunde, im Schornstein hausten mehrere Possums und Abends kamen Kröten zum Haus die eine halluzinogene Wirkung haben, wenn man sie ableckt. Im Norden Australiens sind die Kröten eine lustige Partydroge, dort werden sie getrocknet und anschließend geraucht. Den Mäusen im Abstellraum versuchten wir mit Rattenfallen bei zu kommen, die selbst einem ausgewachsenen Grizzly das Genick brechen würde. So krachte es insgesamt vier mal und von da an hatten wir unsere Vorräte für uns allein.
In den letzten Wochen schafften wir es sogar sechs unserer Freunde, die wir vom Reisen oder noch aus Deutschland kannten, einen Job in der Gärtnerei zu vermitteln. So konnten Katrin und Cornelius, das Pärchen das unseren Van "Sir Rocket" gekauft hatte, in unsere Ensuite einziehen und arbeiten, nachdem wir abgeflogen sind.
Die Zeit in Australien war eine sehr schöne
Erfahrung mit tollen Eindrücken und vielen neuen Freunden. Hätten wir die Chance es wieder zu machen, würden wir mehr Zeit im Westen verbringen, da der Osten sehr viel touristischer und eher auf Party geeicht ist.
Bevor wir jedoch nach Hause zurückkehren und unser Horizont wieder auf Armlänge schrumpft, machen wir einen zweieinhalb-monatigen Abstecher in die Südsee und die USA. Dann berichten wir aus Neuseeland wieder.
sanfte Grüßedie Rumtreiber
Start - Perth
Nach unserer Rückkehr aus Asien sind wir noch eine Woche bei Michaela in Perth geblieben und haben endlich den Kings Park und Rottnest Island bei Fremantle besucht. Das Ticket für die Fähre hatte zwar einen stolzer Preis, relativierte sich jedoch schnell im Anbetracht der Schönheit dieser Insel. Außer ein paar Linienbussen für sportfaule Touris, sind nur Fahrräder auf der Insel erlaubt. Ausgestattet mit einem klapprigen Drahtesel und einem Sturzhelm der roch wie
ein alter Wäschekorb, machten wir uns auf Entdeckungstour. Nach vielen schönen Badebuchten und tollen Sandstränden war die Krönung die Begegnung mit zwei Quokkas, die uns sogar aus der Hand gefressen haben. Das sind die posierlichen Namenspatrone der Insel, die man Anfangs dummerweise für gigantische Ratten hielt, deshalb Rottnest Island. Dabei handelt es sich bei den zutraulichen Knäulen um eine Art Minikänguruh. Den Rest der Woche haben wir mit sightseeing, shopping, Ozzi-BBQ am Strand und einem Doppelkinoabend gefüllt. Die Abfahrt viel schwer, da wir in Perth bereits klitzekleine Wurzeln geschlagen hatten und uns diesmal für länger von Michi, Sylvia und Shane verabschieden mussten. Die Neugier noch mehr vom Land zu sehen war letztendlich aber größer und so zog es uns in den Süden.
300 Kilometer
Den ersten längeren Stopp machten wir 300km südlich in Dunsborough bei Margaret River. Hier befindet sich die bekannteste Weinregion Australiens und zeitgleich waren wir hier bei einer Freundin zu Weihnachten eingeladen. Da wir einen längeren Aufenthalt erwartet hatten und die Geldbörse bereits auf die dicke der Kreditkarte geschrumpft war, haben wir uns auf Jobsuche gemacht. Nach wenigen Stunden der Suche, mit erfrischender Pause in einem deutschen Weingut, hatten wir auch schon eine Stelle. In einem kleinen Café/Restaurant konnten wir wieder als Bedienung und Tellerwäscher unser Geschick unter Beweis stellen. Drei Tage lang haben wir tagsüber die Gegend erkundet, am Strand gefaulenzt und Abends gearbeitet. Extreme-Dishwashing und Hardcore-Waitressing würde die Arbeit am ehesten beschreiben. So stand ich auf einer Fläche von einem DINA4-Blatt und musste in Warpgeschwindigkeit, alles von Hand, waschen, spülen und trocknen. Franziska flitzte zwischen Pizzaofen, Küche und Gästen hin und her, dass es nur so qualmte. Letztendlich waren es die lästigen Fliegen und der Unmut über den marokanischen Paschakoch weshalb wir uns noch vor Weihnachten in Richtung Esperance aus dem Staub machten.
1.000 Kilometer
Auf dem Weg nach Esperance trafen wir am Tag vor Heilig Abend das nette schweizer Pärchen Nathalie und Adrian und feierten zusammen ganz Ozzie-like Heilig Abend und Weihnachten mit deftigem Grillfleisch und Minikuchen auf einem Campingplatz. Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir zum berühmten
Strand in den Cape Le Grande Nationalpark, der Thistle Cove, gefahren. Außer einer Handvoll Touristen und uns war niemand da, was die einzigartige Schönheit des Strandes umso mehr unterstrich. Türkisblaues, glasklares Wasser mit weißem Mehlsand. Der schönste Strand den wir bisher jemals gesehen haben. Nach einer weiteren Nacht sind wir gemeinsam weiter in Richtung Osten aufgebrochen und mussten dabei eine zweifelhafte Strecke überwinden, vor der im Lonely Planet bei bestimmten Witterungsbedingungen gewarnt wurde. Die Einheimischen versicherten uns aber, dass die Strecke durchaus mit den Campervans zu bewältigen sei. Wir sind mit einem 10-Minuten Vorsprung vorgefahren, damit Nathalie und Adrian unseren Staub nicht einatmen müssen. Nach einem krassen Höllenritt auf einer Piste, die an Straßen aus Kaisers Zeiten erinnerte, und vier endlosen Stunden kamen wir auf der anderen Seite an und atmeten endlich auf. Auf dieser Seite der Einfahrt stand übrigens mit ganz großen Lettern, dass dieser Weg nur für Fahrzeuge mit 4WD zu empfehlen ist. Einerseits machte uns das stolz, auf der anderen Seite bangten wir um so mehr um unsere Freunde. Nachdem die Stunden verstrichen und Nathalie und Adrian immer noch nicht da waren, war klar dass etwas passiert sein musste. Also haben wir telefonisch alles in unserer Macht mögliche veranlasst. Die selbe Strecke nochmal zurückfahren wäre reinster Schwachsinn gewesen, denn im Schlimmsten Fall wären auch wir liegen geblieben. Zudem hatten wir weder Abschleppseil, noch Ersatzrad oder sonstige Ausrüstung für solche Fälle. Am Tag darauf kam endlich die erste SMS von den beiden, dass alles OK sei. Ihr Wagen hat die Bodenhaftung verloren, sich um 180° gedreht aber zum Glück nicht überschlagen. Dabei sind zwei Reifen kaputt gegangen. Mit einem Tag Vorsprung, vereinbarten wir, dass wir uns später in Melbourne nochmal treffen würden.
1.900 KilometerUm in den Osten Australiens zu kommen muss man die
Nullabor Plain überqueren. Das ist eine sehr lange, Steppenartige und wunderschöne Gegend bei der nur alle 200 Kilometer ein Roadhouse kommt. Den Reservetank immer gefüllt hatten wir nach zwei Tagen Fahrt die Nullabor Plain und die längste gerade Strecke (140 km ohne einer einzigen Krümmung) Australiens hinter uns.
3.000 KilometerKurz vor Ceduna blieben wir das erste Mal liegen, weil wir vergessen hatten den Reservetank auf zu füllen. Ich versuchte vergeblich vorbeifahrende Autos zu stoppen. Manche fuhren im Schritttempo an uns vorbei, andere sausten ungebremst weiter. Das lag bestimmt nicht zuletzt an meiner üppigen Haarpracht und dem Zweimonatsbart. Erst als Franziska den vorbeifahrenden winkte, hielt ein junger, barfüssiger Aussie an und verkaufte uns einen Kanister Sprit. Den Liter Bleifrei gab es für "dolla' sump'n, mate", bis ich verstand er meinte "one dollar something". Also einigten wir uns auf "a dolla' fif'" (eins fünfzig) und Sir Rocket fuhr wieder.
3.300 Kilometer
Wir fuhren vorbei an Streky Bay, wo 1992 der größte Weiße Hai von einem 21-jährigen geangelt wurde. Der Monsterfisch misst stolze 5,40m und bekam eine 1:1 Plastiknachbildung im ansässigen Roadhouse. Mit einem nicht erwähnenswerten Abstecher in Port Lincoln und Port Augusta kamen wir abends in Adelaide an. Die letzten Sonnstunden nutzten wir für einen Strandspaziergang und um unsere Wäsche zu waschen.
4.200 KilometerDa Silvester nicht mehr weit war und wir zum Umtrunk ins neue Jahr im Melbourne sein wollten, entschieden wir uns nicht länger in Adelaide zu verweilen, sondern schon am selben Abend in Richtung Süden zu fahren. Die Strecke bis zur Great Ocean Road fuhren wir fast ohne Pausen durch. Auf der Great Ocean Road herrschte dann richtige Touristimmung. Jede Menge Backpacker und Surfer die einen Blick auf die dramatischen Felsformationen werfen wollen, oder in den schönen Buchten baden bzw. surfen gehen. Man fährt praktisch 150km direkt am Klippenrand und hat die ganze Zeit eine umwerfende Aussicht auf das Wasser. Kurz bevor man die Great Ocean Road verlässt wird es richtig touristisch und die Strände immer voller. Hier erhascht man auch mit ein wenig Glück einen Blick auf Koalas die in freier Wildbahn auf ihren Eukalyptusbäumen rumsitzen. Da ich fahren musste, hatte Franziska das Vergnügen.
4.400 KilometerIn Melbourne angekommen, feierten wir mit Anna und Ronja Sylvester im Regen. War aber halb so wild, denn ausser uns waren tausend andere Feierlustige die sic
h die Stimmung nicht versauen lassen wollten. Eine Woche lang "lebten" wir auf einem Parkplatz, mit öffentlicher Toilette um die Ecke und einem Schwimmbad, dessen Dusche ich kostenfrei nutzen durfte. Die anderen Male "duschten" wir direkt auf dem Parkplatz oder machten ein "Probetraining" im Fitnessstudio :). Pünktlich zu Annas Geburtstag trafen auch unsere schweizer-Freunde in Melbourne ein und verbrachten mit uns zwei schöne Abende voller Musik, Feierei und Adrenalin (Anna hat sich zum Geburtstag einen Fallschirmsprung geschenkt). Da wir Melbourne selbts nicht so toll fanden, haben wir uns noch schnell um den Wagen gekümmert, das Fernlicht und die Klima repariert und auf den Weg nach Sydney gemacht.
5.400 Kilometer
Unterwegs haben wir den Bundesstaat New South Wales kennen gelernt, wie wir ihn nicht erwartet hätten: knallgrün, sehr hügelig und richtig idyllisch. Mit Heuballen, Kühen auf den Weiden und kleinen Flüssen. Sydney war dafür um so mehr eine Backpackerfeindliche Tourimetropole ohne Parkplätze in der Innenstadt. Dafür aber mit dem berühmten, etwas überbewertetem, Wahrzeichen, der Oper. Aus der Ferne futuristisch und modern anmutend, aus der Nähe eher grau und durch die Gezeiten gezeichnet. Am Tag darauf, meinem Geburtstag, wurde erstmal anständig gefrühstückt, als Geschenk gabs einen schicken iPod und zum Abendessen Muscheln in Weißweinsoße am schönen Darling Harbour. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an Ellen & Tobi für den Essensgutschein, sowie an Saskia & Boris und unsere Familien für die üppigen Geldspenden ;).
6.400 Kilometer
In Surfers Paradise angekommen, begannen wir wieder mit der Jobsuche. Das Glück stand dabei leider nicht auf unserer Seite, da sich die Feriensaison dem Ende neigte und alle Pubs, Hotels und Supermärkte ihre Aushilfen beisammen hatten. Es hagelte zwei Wochen lang Absagen. Der einzige Strohhalm an den wir uns klammerten, war ein Putzjob im Hotel, mit der Voraussetzung wir würden uns Selbstständig melden, damit der Arbeitgeber keinen Stress mit der Steuerabführung hat. Nach einer endlosen Online-Anmeldung und stundenlangen Telefonaten teilte uns eine Dame eine Woche später mit, dass wir als non-residents keine ABN (Selbstständigennummer) erhalten können. Die Stimmung und unser Anstand war an diesem Tag auf Kellerniveau gesunken. So stürzten wir aus Frust in der Mittagszeit selbstgemachte Weinschorle und legten uns aus Protest an den Strand. Ein kleiner Lichtblick war dann das Treffen mit unseren Freunden Philip und Morris. Ein langer und superwitziger Plauderabend voller Bier, Kalorienreichem Nudelfutter und feinem Bunderbergh-Whiskey in ihrem Palast auf 4 Rädern, war eine willkommene Abwechslung zur sonst so deprimierenden Woche. Gleich am nächsten Tag fuhren wir die letzten Kilometer nach Brisbane um hier unser Jobglück zu probieren. Zeitgleich haben wir Surfers Paradise abgehakt, da die Stadt außer guten Surfspots, Bauch -und Hirnfreien Teens und Ballermanstimmung nicht viel zu bieten hatte.6.500 KilometerNach anfänglichen Absagen in Brisbane
wagten wir eher zufällig den Schritt in ein Backpacker-Jobcenter und wurden sogleich mit offenen Armen empfangen. Unser Glück war, dass wir ein Fahrzeug hatten und so zwei weitere Backpacker zur Gärtnerei mitnehmen konnten, die vier Aushilfen suchte. Eine Unterkunft für 90 Dollar pro Woche inklusive Opossum im Bad wurde ebenfalls gestellt. Wir zogen in das Haus ca. 40 km außerhalb von Brisbane-City ein und am Tag darauf begann auch schon der erste harte 14 Stunden Arbeitstag um 6:30 Uhr. Aber das ist eine andere Geschichte.
sanfte Grüßedie Rumtreiber
Vietnam (8 Tage)
Nach einem 14 stündigen Aufenthalt in
Singapur, unzähligen unbequemen Flughafensitzen und tropfnassem Schwülwetter sind wir endlich in der noch schwüleren Ho-Chi-Minh-City angekommen. Am Flughafen von unserem Taxifahrer abgefangen und rein in das Blechchaos. Vier Millionen Roller die völlig Systemfrei, 'gar anarchistisch durch die City brettern. Ganze fünfköpfige Familien kommen auf einem halben Quadratmeter mit 20 PS unter.Rein ins Hotelzimmer, alles sauber, etwas eng aber hauptsache Klimaanlage! Wieder draußen gehts sogleich auf die Fressmeile, genauer gesagt ins Frittierparadies in dem uns alles als Pork oder Chicken verkauft wird. Wir glauben es, lassen uns das Abendessen auf zwei Lilliputanerstühlen schmecken und bezahlen keine 80 Euro-Cent für den Gaumenschmeichler. Während wir uns durch die überfüllten Straßen zwängen, flüstern uns die Tuk-Tuk-Fahrer immer wieder zu: "Pssst, Marihuanha?" Das liegt vermutlich an an unseren vom Schlafmangel gezeichneten, rubinroten Augen.
Beim Frühstück am nächsten Morgen bestelle ich mir einen vietnamesischen Kaffee im Glauben dass er nicht viel anders zubereitet wird als in Deutschland. Man serviert mir eine Tasse mit einem winzigen Schuss Kaffee und dazu extra Milch. Mit zwei Löffel Zucker und im Unwissen dass es sich um süße Kondensmilch handelt, habe ich im Handumdrehen einen Neuartigen Energydrink gemixt der einen Friedhof wecken könnte. Später erfahre ich, dass die Wasserbehälter auf dem Tisch zum verdünnen der Brühe gedacht sind.
Nach diesem Muntermacher treffen wir unsere Freunde Conny und Effe aus Deutschland, die bei all unserem Glück eine Straße weiter ein Zimmer bezogen haben. Gemeinsam schauen wir uns das Kriegsmuseum an und lassen Panzer und Bilder auf uns wirken. Je tiefer man in das Museum vordringt um so grausamer werden Bilder und Fakten. Nach einigen Stunden sind wir von Abscheu übersättigt und durch die Geschichte wieder ein Stück klüger. Der Palast der Wiedervereinigung hingegen, ein Betonblock im 60-Jahre CCCP-Stil, ist an Langeweile nicht zu toppen. Ein Sonntagnachmittag im Altersheim ist dagegen Ballermannstimmung.
Den Erfrischungsdrink am Mittag gönnen wir uns in einem schrillen, von außen recht teuer anmutenden Restaurant. Im inneren geleitet man uns an einen Tisch direkt neben die 10.000 Watt-Boxen, die uns mit einem Mix aus postmoderner Westmusik und asiatischem Technogedudel vollschranzt. Aber dazugehören ist nun mal Alles.
Mit der Zeit lernen wir keine Suggestivfragen zu stellen, da die Antwort im Zweifelsfall immer "Yes" ist. Wir lernen auch dass die ganze Stadt ein großes Urinal ist in der jeder überall seine Notdurft verrichten kann. Da behaupte nochmal jemand Sozialismus und Freiheit vertragen sich nicht. Wir gewöhnen uns auch an das ständige auf-den-Gehweg-rotzen. Anfangs konterte Cornelius nach dem Motto "ab 5 Uhr wird zurück gerotzt" und plazierte die Grünen treffsicher vor den Füßen der Bastarde. Nach einer Weile haben wir aber auch das akzeptiert.
Einen Tag später, fahren wir im bis zum letzten Platz gefüllten Bus zu den berühmten Tunneln von Cu-Chi. Dabei handelt es sich um einen unterirdischen Komplex der den Vietcong als Lebensraum unter feindlichen Linien diente. Nach einem sehr subjektiven und kommunistischen Propagandavideo aus den sechzigern, beginnt die Führung. Für die Besichtigung der Tunnel wurden deren Eingänge extra "aufgebohrt", damit auch ein durchschnittseuropäer hineinpasst. Jene Touris mit überflüssigem Hüftgold oder wie ich mit Klaustrophobie schämen sich im Tageslicht, während die anderen sich im Gänsemarsch durch die Tunnel pressen. Beeindruckende 250km lang sind die Tunnel und beherbergen von Schlafzimmern, Küchen, Toiletten, Besprechungsräume bis hin zu Krankenzimmern alles was "Charly" brauchte um den Krieg zu gewinnen.
Wir sehen sämtliche Arten von Fallen die sehr simpel aber ungemein wirkungsvoll funktionieren. Bei der Vorstellung wie die "no-more-family-Falle" wirkt, verkrampft sich bei den mänlichen Zuschauern die Leistengegend. Zum Abschluß der Führung dürfen diejenigen, die sich mal wieder wie ganze Männer fühlen wollen, eine Runde mit dem MG ballern, ohne Gehörschutz versteht sich. Keine 10 Meter von dem Stand entfernt, an dem ich mir ein Eis kaufe. Jedem das Seine eben...
Das Abendessen nehmen wir im vierten Stock eines Einfamilienhauses zu uns. Hier verlagert jeder sein Privatleben auf die Straße und kann seine Wohnung mit links in ein Restaurant umfunktionieren. Wir gehen die Treppe hoch vorbei an der Waschküche, Wohnzimmer, Kinderzimmer und Bad und nehmen Platz auf der Terasse, wo ein semiprofessioneller Praktikant unsere Bestellung entgegen nimmt.
Der Bestellzettel wird zerknüllt und vom Balkon auf die Straße geworfen, wo ein flinkes Helferlein ihn abfängt und zur Küche im Erdgeschoß bringt. Das Gourmet wird in einer 1-qm Meter großen Küche zubereitet und von einem Laufenden Meter aus dem Erdgeschoss in den vierten Stock gehievt. Wir lassen es uns schmecken und geniessen die Aussicht auf tonnenweise Kabelstränge und das hektische Treiben in der Erlebnismeile unter uns.
Um 11 Uhr am Folgetag hebt unser Flieger ab und wir landen ca. eine Stunde später auf Phu Quoc, der größten Insel Vietnams. Eine Horde aufdringlicher Taxifahrer fällt am Flughafenausgang über uns her, von denen uns jeder zum billigsten und besten Hotel der Insel fahren will. Wir nutzen "die Macht" und treiben mit einer kurzen Handbewegung á lá Obi Wan Kenobi einen Keil zwischen die Angreifer. Tatsächlich schauen die Taxisten für einen kurzen Moment irritiert drein und lassen uns passieren. Später winken wir reumütig einen Fahrer ran, da es zu den Resorts doch einige Kilometer zu laufen wären.
Unser Eco-Resort hat zwar nicht die beste Lage, ist dafür aber günstig. Wir leihen uns drei Roller und flitzen an Fischerdörfern und Kühen vorbei zu einem richtig schönen Strand, an dem wir den halben Tag verbringen. Überall auf der Insel kann man einen penetranten Duft der berühmten Phu Quocer Fischsoße wahrnehmen. Am Hafen, wo die Soße produziert und/oder gelagert wird, kämpfen wir mit dem Würgereiz. Zurück im Eco-Resort braucht Conny eine viertelstunde den Monstergekko dingfest zu machen, der sich in unserem Zimmer breit macht. Als der Hausmeister zur Hilfe eilt, können wir den Typ nur knapp davon abhalten das Tier an unserer Wand zu verschmieren, als er mit dem Besenstiel drauf loshämmert. Gemeinsam gelingt es ihnen das Tierchen ein zu fangen und zur Belohnung gibt es ein Celebrity-Foto mit dem Crocodile-Hunter.
Die nächsten Tage vertreiben wir uns beim Schnorcheln mit eher mäßiger Sicht, beim Squidfishing auf einem alten Kutter und erkunden der Insel per Roller. Es ist sehr interessant die Einheimischen bei ihrem Treiben zu beobachten und eine Insel zu erforschen die hauptsächlich unbefestigte Straßen hat. Man könnte Phu Quoc als interessant, ursprünglich und unerschlossen beschreiben, aber nicht als wunderschön. Der Golf von Thailand hat da ganz andere Perlen im Repertoire.Eigentlich hatten wir geplant Vietnam einmal rauf oder runter zu fahren. Nach einer hektischen Woche im Süden voller unprofessioneller und nur halbherzig freundlicher Menschen, war für uns klar, dass noch eine Dekade verstreichen muss, bis das Land weiß wie man mit Gästen umgeht. Ursprünglichkeit hin oder her, aber ein einfaches Lächeln macht doch ganz schön viel aus.
Kambodscha (4 Tage)
Nach sieben Stunden, zwei Flügen und grimmig dreinblickenden Passkontrolleuren (diese Leute müssen ihren Job abgrundtief hassen) checken wir in einem zentral gelegenem Hotel in Siem Reap ein. Conny und Effe hat es an die Strände im Süden Kambodschas verschlagen. Beim abendlichen Bummel fällt sogleich auf: die Menschen sind freundlich, der Service besser und man spricht englisch! Wir sind hin und weg vom bunten und lebhaften Treiben auf der Straße, dinieren köstlich und lassen den Abend im Nachtmarkt ausklingen. Bevor wir ins Hotel zurück kehren, machen wir einen Tuk-Tuk-Fahrer klar für anständige 10 Dollar, zur Besichtigung der Tempel.Unser Fahrer ist pünktlich um 8 Uhr auf der Matte
und fährt uns von einem Tempel zum nächsten. Am meisten beeindruckt das größte und wohl bekannteste Angkor Wat. Bombastisch türmt sich dieses Steinmassiv, dass man sich fragt wie groß eigentlich der Minderwertigkeitskomplex dieser Könige war, dass man es mit so etwas gigantischem kompensieren musste. Sehr schön ist auch der Bayonne Tempel, mit Gesichtern so groß wie Scheunentore. Überall sind Kinder die Souvenirs verkaufen oder nach Dollars betteln. Um Ausländer zu beeindrucken können die kleinen Geschäftsleute Hauptstadt, Einwohnerzahl und die Namen der Staatsoberhäupter vieler Länder aufsagen. Während ich die Örtlichkeiten aufsuche, freundet sich Franziska mit einer Horde schmutziger
Kiddies an und wird zum Abschied beschenkt. Vor den Eingängen der Tempel sitzen körperlich behinderte Musiker und machen auf ihr Schicksal aufmerksam. Den meisten fehlen Gliedmaßen, abgetrennt durch Landminen aus der Zeit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Plötzlich werden die eigenen Wehwehchen unscheinbar klein. So viel Leid geht nicht spurlos an einem vorbei und zehrt auch ganz schön an den Nerven.Wir schaffen es mit Mühe unserem Tuk Tuk Fahrer für den nächsten Tag ab zu sagen, da wir lieber mit Fahrrädern die Stadt erkunden wollen. So weit kommt es dann doch nicht, denn wir sind zu müde und schlafen erstmal richtig aus. Danach bummeln wir durch die Märkte und gönnen uns eine Fußmassage der besonderen Art. Dabei hält man seine Füße in einen Pool voller winziger Fische, während sich diese über unsere geschundenen Füße her machen. Klingt komisch, ist auch so. Wir halten keine fünf Sekunden aus bis wir durch das gekitzel die Füße immer wieder rausziehen. Nach qualvoll kitzeligen 15 Minuten ist die Massage vorbei und die Fische sattgefressen. Lecker :)
Am Abend treffen wir zufällig unseren Tuk Tuk Fahrer und vereinbaren mit ihm einen Termin auf 4:30 am nächsten Morgen, weil wir uns den Sonnenaufgang am Angkor Wat ansehen wollen.Mit 20-minütiger Verspätung und Alkoholfahne,
kommt unser Fahrer angerast. Sein breites Grinsen verrät, dass er letzte Nacht ordentlich gefeiert hat. Um kurz vor fünf Uhr Morgens haben wir kaum eine andere Wahl und steigen in sein Party-Bike. Halb erfroren kommen wir am Tempel an und haben noch das Glück einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern während unser Fahrer in seinem Tuk Tuk seinen Rausch ausschläft. Ein freundlicher Imbissbudenverkäufer bringt uns zwei Stühle, Kaffe und Tee. Mit ca. 1000 weiteren Morgenmuffeln sitzen wir über eine Stunde da und geniesen das Spektakel. Das ist mal wieder einer der Momente, in denen man weiß, warum man die ganzen Strapazen auf sich genommen hat. Es ist wirklich sagenhaft.Gegen 13 Uhr Mittags verweigert unsere Aufnahmefähigkeit den Dienst, die Augenlider werden schwer und wir lassen uns ins Hotel fahren.
Abends buchen wir, nach einer weiteren Massage, die Weiterfahrt nach Koh Chang, Thailand. Am nächsten Morgen vor der Abreise versuchen wir schnell etwas zum Frühstück zu organisieren und erkundigen uns an einer Frittierbude was es denn so im Angebot gibt. Als wir auch beim zweiten Mal "Cat" verstehen, nicken wir freundlich und verziehen uns. Wir hoffen nach wie vor, dass wir uns verhört haben, aber das wäre eine Erklärung, weshalb die meisten Katzen, auch in Vietnam und Thailand, viel zu kurze Schwänze haben.
Aus einer Busreise werden vier Busse, zwei Minivans, zwei Taxis, eine Fähre und nochmals ein Taxi, bis wir nach 12 Stunden schließlich auf Koh Chang ankommen, wo Conny und Effe bereits auf uns warten.
Thailand (5 Tage)
Am selben Abend laufen wir gemeinsam zur Pussycat Dolls Bar um ein paar Drinks zu kippen. Hier treffen wir zwei deutsche Hansel im Wolfgang Petri-Verschnitt und Schnauzern bei denen jeder US-Cop erblasst. Im Schlepptau sind ihre quickenden Thai-Freundinnen, hinter der Bar eine schrullige Party-Oma die unsere Großmutter sein könnte. Wir fühlen uns wohl, leeren die Drinks und fallen wenig später in einen tiefen Schlaf.
Am nächsten Morgen lassen wir uns zum Lonely Beach kutschieren, der tatsächlich wunderschön ist. Nach einer knappen Stunde ist auch die Unterkunft klargemacht und wir relaxen unter der Strohhüttenbar zur Musik von Cafe del Mar. Einfach nur herrlich!Wir nutzen die Zeit für
Schnorchelausflüge, bei denen wir neben wunderschönen Korallenriffen auch die neueste Bademode der Osteuropäer zu sehen bekommen, lassen eine Synchronmassage über uns ergehen und schauen uns Wasserfälle an.
Beim Männerabend kippen wir in einer Open-Air-Bar ein paar Bier, rauchen ein-zwei leckere Wasserpfeifen und torkeln singend Richtung Resort. Unterwegs stoßen wir auf eine Beachparty, genehmigen uns noch einen Drink um abschließend am Strand, mit einer crowd funkiger Partypeople zu den Rhythmen aktueller Elektrobeatz ab zu zappeln. Das ist auch das erste Mal, dass wir einen "Monduntergang" bestaunen, als dieser um 2:30 Morgens am Horizont verschwindet. Alles in Allem, ein einmaliger Männerabend.
Insgesamt war Koh Chang eines der absoluten Highlights auf unserer Reise. Man konnte an den herrlichen Stränden richtig schön entspannen oder in der Hängematte rumhängen, schwimmen, leckere Cocktails schlürfen und das wunderschöne Panorama geniessen. Um so schwerer fiel dann die Weiterreise nach Laos, da wir uns wieder von unseren Freunden verabschieden mussten und somit auch von einem Stück Heimat. Der Weg nach Laos war relativ unkompliziert und manchmal auch durchaus komfortabel. Ein Taxi, eine Fähre, einen Reisebus, einen Nachtzug und ein Tuk Tuk später standen wir vor der Grenze zu Laos.
Laos (7 Tage)
Am Grenzübergang mal wieder unfreundliche Beamte die mürrisch unsere Pässe checken, das Visum reinkleben, einen Stempel drauf setzen und 30 Dollar abzocken. Der "Eintritt" kostet mehr als die Unterkunft in einem anständigen Zimmer. Wir schließen uns mit einer Gruppe von Backpackern zusammen und lassen uns in einem überfüllten Tuk-Tuk, dessen Motor um Gnade kreischt, in die Stadt fahren. Als wir an einem Markt halten, fallen uns fritierte Heuschrecken auf, die ich mir für den nächsten Imbiss vormerke.
Für eine Hauptstadt ist Vientiane relativ verschlafen, ein Paradies für Hippies, Aussteiger und Möchtegernbuddhisten. Wir lassen uns zum x-ten Mal massieren, Franziska die Haare schneiden und decken uns mit eine paar Klamotten ein. Zum Abend dinieren wir ganz und gar nicht Backpacker-like in einem relativ schicken indischen Restaurant. Gleich vier Bedienungen schwirren um uns rum und lesen uns die Wünsche von den Augen. Ich esse das beste Butter-Chicken meines Lebens und bezahle gerne einen stolzen Preis für diesen Gaumenschmeichler.Der Bus der uns am Morgen darauf abholen soll, kommt mit Einstündiger Verspätung angetuckert und ich verpasse meine Chance die frittierte Heuschrecken zu probieren. Damn! Die Fahrt nach Vang Vieng, das Party und Abenteuermekka Laos', wird zum Schluß der vierstündigen Fahrt eine regelrechte Zerreisprobe für unsere Nerven und Arschmuskeln. Keine zehn Meter Aspahlt ohne einer 90°-Kurve, rauf und runter, dafür aber eine Kulisse wie aus dem Bilderbuch. Unterwegs halten ungeplant in einem kleinen Bergdörfchen, deren Einwohner uns ungläubig bestaunen. Passiert wohl nicht all zu oft, dass ein Bus voller Langnasen in ihrem Bergparadies hält.
Endlich in Vang Vieng angekommen, machen wir diesmal nicht den Fehler und lassen uns von einem Taxi zum Hotel fahren, sondern suchen uns unsere Bleibe selbst. Ungeduldig wie wir sind, mieten wir uns mal wieder viel zu teuer in einem hübschen Resort ein, nur um es am nächsten Morgen wieder zu verlassen. Wir finden ein Bungalow, zum halben Preis, direkt am Fluß mit Blick auf die malerischen Berge. Ein absoluter Gehimtipp und einfach nur traumhaft.
Vang Vieng ist voller wilder Partylöwen und kann Abends auch mal ungemütlich werden, weshalb einige Einheimische dieser Stadt auch den Beinamen "Sin City" gegeben haben. Tagsüber ist es sehr gemütlich, weil die Partypeople noch schlafen. Man kann in den lockeren Bars in den Kissen rumlungern, sich Drinks und Snacks bestellen und dabei seine Lieblingsserien (Simpsons, Friends, Scrubs etc.) in der Endlosschleife ansehen. Auf der Straße werden gegrillte Leckereien, Süßigkeiten und herrliche Pfannkuchen für wenige Dollars zubereitet.
Aber die wohl größte Attraktion ist das Tubing.
Dabei setzt man sich in einen LKW-Schlauch und lässt sich den Fluß runtertreiben, vorbei an Bars die einen per Seil "an Land" ziehen. Für die meisten Ausländer geht es hier darum viel Alkohol in kürzester Zeit zu konsumieren. Wir dagegen trinken ganz langweilig unsere Cola, probieren ein zwei Shots und testen die zweifelhaft zusammengezimmerten Schwingseile und Sprungtürme. Nach drei Stunden auf dem ruhigen Fluß mit herrlicher Aussicht, kommen wir von der Sonne rosafarben, an unserer Hütte an und freuen uns über etwas Schatten.
Zum Abendessen probieren wir die Asiatische Variante von Raclette aus, bei der man Nudeln, Eier, Gemüse und Wasser in einem Metalltrog aufkocht und nebenan Fleisch anbrät. Sofern wir uns nicht all zu Blöd anstellen, würde ich behaupten, dass es nicht Jedermanns Sache ist eine klare Glibbersuppe zu löffeln.Im Nachhinein wären wir gerne länger in Vang Vieng geblieben, vielleicht auch nur um uns den sechsstündigen Höllenritt über die Berge nach Luang Prabang zu ersparen. Jede Achterbahn gleicht dabei einer Kaffeefahrt.
Durchgekaut und wieder ausgespuckt kommen wir in Luang Prabang an und finden ziemlich schnell eine Bleibe für eine Nacht. Am nächsten Tag checken wir mal wieder in ein günstigeres Gästehaus mit besserer Lage ein. Irgendwie scheint das bei uns zur Regel zu werden.
Luang Prabang ist entspannt, das Clientel nicht so partyfreudig wie in Vang Vieng und hat einige Attraktionen zu bieten. Wir sind vom Reisen mittlerweile aber so müde, dass wir uns zur Stadterkundung regelrecht zwingen müssen.
Wir machen Sightseeing zu Fuß und auf Fahrrädern, besteigen ein paar hundert Treppen zum Tempel, schauen uns den Nachtmarkt an und buchen eine Flussfahrt auf dem Kaffebraunen Mekong. Jeden Abend singt uns unser Gästehausbesitzer stundenlang volltrunken in den Schlaf und nach zwei weiteren Nächten sind wir froh den Flieger Richtung Ersatzheimat Australien zu besteigen.
Zusammenfassend war die Asien-Reise ein voller Erfolg mit vielen schönen Momenten und bleibenden Eindrücken. Es stimmte die Reisezeit, meistens auch der Kosten-Nutzen-Faktor und vor Allem Qualität und Quantität an Erfahrungen.
Beim nächsten Mal würden wir lediglich die Reihenfolge der bereisten Länder ändern und dann aufhören wenn es am schönsten ist.
sanfte Grüße
die Rumtreiber
Hallo Leute,wir haben euch und unsere Verpflichtung den Blog aufrecht zu erhalten nicht vergessen. Es ist nur so, dass wir bei unserer Suedostasien-Rundreise beschraenkten Internetzugang haben. So sind alle Bilder, Erfahrungen, Anekdoten und Abenteuer erstmal nur in unserer Cam bzw. in unseren Koepfen eingebrannt. Alsbald wir zurueck in der Zivilisation sind, werden wir einen Megabericht ueber eine Megareise abliefern. Versprochen!Nur soviel vorab: Vietnam hat enttaeuscht, Kambodscha sehr positiv ueberrascht, Thailand war goettlich wie immer und Laos steht noch aus :)Sanfte Gruessedie Rumtreiber
Hallo Leute,dieser Eintrag ist nur als kurze Zwischeninfo gedacht, falls
ihr euch fragt wo wir so abhaengen. Vor drei Tagen hat es uns auf Phu Quoc verschlagen, eine kleine sehr urspruengliche Insel im Sueden Vietnams. In Ho Chi Minh haben wir zwei Freunde getroffen und sind gemeinsam rueber geflogen. Wir vertreiben uns die Zeit mit Schnorcheln, Fischen, Maerkte abklappern und die Gegend erkunden. Diese Insel ist
noch sehr urspruenglich und die Infrastruktur schlecht ausgebaut. Unterwegs zum Strand sieht man schon mal eine Kuhherde, ganz einfache Strohhuetten und Fischerdoerfer mit dem typisch, malerischen Holzsteg. Man fuehlt sich stellenweise in der Zeit zurueck versetzt.Kurz gesagt, geht es uns gut, wir haben jede Menge Fun und erleben so einiges. Aber mehr davon im naechsten Blog, wenn wir mehr Zeit haben.Herzliche GruesseEugen & Franzi
Bevor wir nach Südostasien aufbrechen, wollten wir noch schnell ein paar Bilder von unserem Trip zurück nach Perth posten. Unterwegs haben wir so ziemlich alles mitgenommen was es zu sehen gab.
Aber an Stelle wieder lang und breit zu quatschen, lassen wir diesmal nur die Bilder sprechen. Wie immer sind die aktuellen Pics über die Slideshow zu erreichen.
Wir melden uns aus Südostasien wieder :)
Viele Grüße
Eugen & Franzi
Nach einer längeren Schreibpause haben wir blogmäßig wieder einiges nachzuholen. In der Zwischenzeit ist wieder viel passiert und wir haben einiges erlebt. Aber alles der Reihe nach...
Nach gut einem Monat hat auch Franziska ihren Zweitjob als Bedienung an den Nagel gehängt und wir arbeiteten nur noch im Hotel als "Housekeeper". Dadurch blieb mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen mit unseren Mitbewohnern oder für gemütliche Abende zu Zweit.
Nic nahm mich immer wieder mit raus zum Speerfischen bis auch ich blindes Huhn ein Korn fand. An dieser Stelle erlaube ich es mir feines Liedgut zu zitieren: "Der eine sticht die Lanz im Heer der and're wirft sie in das Meer". So war mein erster Treffer ein stattlicher, 50cm "Schwiegermutterfisch". Der wird so genannt, weil er nicht gerade die Crème de la Crème, aber durchaus essbar ist. Er zappelte und zerrte hektisch am Haken,
dass ich es nicht schnell genug ins Boot geschafft habe und mir mein Fang vom Haken geflutscht ist. Später fand ich den Fisch zufällig wieder, diesmal leblos am Boden liegend und brauchte ihn nur noch auf zu picken. Der zweite Fang war zwar etwas kleiner dafür aber lecker, nur den Namen konnte ich mir nicht merken. Als es darum ging den Fisch einen Kopf kürzer zu machen, fehlte mir irgendwie der Mumm, aber das Filetieren klappte schon besser.
Ganze zwei Monate nach unserer Ankunft im Tauchparadies, haben wir es endlich geschafft uns für einen Tauchgang am Navy Pier an zu melden, welches zu den zehn schönsten Tauchspots weltweit zählt. Grund dafür ist, dass die Navy ihn erst seit einigen Jahren zum Tauchen freigegeben hat, was dazu führte, dass sich in der Gegend eine sehr reiche Unterwasserfauna gebildet hat. Die Flora musste einem Tonnenschweren Metallgerüst weichen, welches die Navy zum Andocken ihrer Schiffe verwendet. Für die Augen gab es Rochen, Haie, Schlangen und unendlich viele Fischarten. Manche kunterbunt und flink wie Wiesel, andere Graugrün, träge und so groß wie ein Kleinwagen. Für die Ohren gab es unbeschreiblich schöne Walgesänge, was einfach nur gigantisch und überaus beeindruckend war.
Den zweiten Tauchgang hatten wir am Lighthouse Bay. Diesmal war das Boot voll mit Touris, die hälfte davon Deutsche, und aufgedrehten Postpubertären Dive-Instructoren, von denen jeder zweite Chris hieß. Alles ging sehr schnell, zu schnell für unseren Geschmack, so dass das Tauchvergnügen eher einer unangenehmen Hektik wich, was sich bei mir unter Wasser bemerkbar machte. Ich musste kurz vor dem Aufauchen an den Octopus (Reserveschlauch) von einem der Chrisies, weil ich zu viel Sauerstoff verbraucht hatte. Wo andere Niere, Leber und Magen haben ist bei mir wahrscheinlich noch mehr Lunge. Alles in Allem war es eher eine Massenabfertigung, als richtiges Tauchvergnügen.
Das Wochenende drauf haben wir zwei befreundete
Backpacker zum Turquoise Bay mitgenommen wo wir endlich das Glück hatten mit Schildkröten zu schwimmen. Die größere war sehr zutraulich und Michael konnte ein klasse Foto mit mir im Hintergrund machen. Franziska kam aus dem Jubeln nicht mehr heraus.
Das Whalewatching war etwas dürftig ausgefallen, da die Wale irgendwie zu faul waren und sich kaum haben blicken lassen. Ein kleiner Wal ist unmittelbar vor unserem Boot vorbeigeschwommen und das war auch schon DAS Highligt an diesem Abend, abgesehen von den Schrimps mit der leckeren Soße. Ansonsten konnte man die Tiere aus größerer Entfernung zwar beobachten, aber mehr als den Buckel oder die Rückenflosse bekam man nicht zu sehen.
Generell haben wir versucht jeden Tag mit Aktivitäten und anderen sinnvollen Dingen zu verplanen. So haben wir ab
und an Sushi mit unseren Freunden gemacht und anschließend hinterm Haus ein Feuer entfacht um wilde Kriegstänze auf zu führen. Haben mit Nic gemeinsam den Van gepimpt, dass selbst X-Zibit und seine Gang neidisch wäre oder sind mit Ronja und Anna Kajak gefahren im Yardie Creek.
Insgesamt ist Exmouth für einen Aufenthalt von Plusminus zwei Monaten sehr zu empfehlen. Es bietet alles was man braucht um nicht vor Langeweile zu verkümmern: Supermärkte, Restaurants, jede Menge Wasseraktivitäten, Pubs, Jobs für Backpacker, Internetcafes, ein Schwimmbad und natürlich wunderschöne Corallenriffe. Wir sind im richtigen Moment abgereist, denn es wurde mit Tagestemperaturen von 40°C langsam zu heiß, außerdem fliegen wir in wenigen Tagen auch schon nach Vietnam.
Wir melden uns aus Südostasien wieder, umarmen unsere Familien, Freunde und Mitleser und verbleiben mit sonnigen Grüßen.
Auf Bald
die Rumtreiber