Dienstag, 23. Februar 2010

Last big ride - Roadtrip nach Brisbane

Start - Perth

Nach unserer Rückkehr aus Asien sind wir noch eine Woche bei Michaela in Perth geblieben und haben endlich den Kings Park und
Rottnest Island bei Fremantle besucht. Das Ticket für die Fähre hatte zwar einen stolzer Preis, relativierte sich jedoch schnell im Anbetracht der Schönheit dieser Insel. Außer ein paar Linienbussen für sportfaule Touris, sind nur Fahrräder auf der Insel erlaubt. Ausgestattet mit einem klapprigen Drahtesel und einem Sturzhelm der roch wie ein alter Wäschekorb, machten wir uns auf Entdeckungstour. Nach vielen schönen Badebuchten und tollen Sandstränden war die Krönung die Begegnung mit zwei Quokkas, die uns sogar aus der Hand gefressen haben. Das sind die posierlichen Namenspatrone der Insel, die man Anfangs dummerweise für gigantische Ratten hielt, deshalb Rottnest Island. Dabei handelt es sich bei den zutraulichen Knäulen um eine Art Minikänguruh. Den Rest der Woche haben wir mit sightseeing, shopping, Ozzi-BBQ am Strand und einem Doppelkinoabend gefüllt. Die Abfahrt viel schwer, da wir in Perth bereits klitzekleine Wurzeln geschlagen hatten und uns diesmal für länger von Michi, Sylvia und Shane verabschieden mussten. Die Neugier noch mehr vom Land zu sehen war letztendlich aber größer und so zog es uns in den Süden.

300 Kilometer


Den ersten längeren Stopp machten wir 300km südlich in Dunsborough bei Margaret River. Hier befindet sich die bek
annteste Weinregion Australiens und zeitgleich waren wir hier bei einer Freundin zu Weihnachten eingeladen. Da wir einen längeren Aufenthalt erwartet hatten und die Geldbörse bereits auf die dicke der Kreditkarte geschrumpft war, haben wir uns auf Jobsuche gemacht. Nach wenigen Stunden der Suche, mit erfrischender Pause in einem deutschen Weingut, hatten wir auch schon eine Stelle. In einem kleinen Café/Restaurant konnten wir wieder als Bedienung und Tellerwäscher unser Geschick unter Beweis stellen. Drei Tage lang haben wir tagsüber die Gegend erkundet, am Strand gefaulenzt und Abends gearbeitet. Extreme-Dishwashing und Hardcore-Waitressing würde die Arbeit am ehesten beschreiben. So stand ich auf einer Fläche von einem DINA4-Blatt und musste in Warpgeschwindigkeit, alles von Hand, waschen, spülen und trocknen. Franziska flitzte zwischen Pizzaofen, Küche und Gästen hin und her, dass es nur so qualmte. Letztendlich waren es die lästigen Fliegen und der Unmut über den marokanischen Paschakoch weshalb wir uns noch vor Weihnachten in Richtung Esperance aus dem Staub machten.

1.000 Kilometer


Auf dem Weg nach Esperance trafen wir am Tag vor Heilig Abend das nette schweizer Pärchen Nathalie und Adrian und feierten
zusammen ganz Ozzie-like Heilig Abend und Weihnachten mit deftigem Grillfleisch und Minikuchen auf einem Campingplatz. Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir zum berühmten Strand in den Cape Le Grande Nationalpark, der Thistle Cove, gefahren. Außer einer Handvoll Touristen und uns war niemand da, was die einzigartige Schönheit des Strandes umso mehr unterstrich. Türkisblaues, glasklares Wasser mit weißem Mehlsand. Der schönste Strand den wir bisher jemals gesehen haben. Nach einer weiteren Nacht sind wir gemeinsam weiter in Richtung Osten aufgebrochen und mussten dabei eine zweifelhafte Strecke überwinden, vor der im Lonely Planet bei bestimmten Witterungsbedingungen gewarnt wurde. Die Einheimischen versicherten uns aber, dass die Strecke durchaus mit den Campervans zu bewältigen sei. Wir sind mit einem 10-Minuten Vorsprung vorgefahren, damit Nathalie und Adrian unseren Staub nicht einatmen müssen. Nach einem krassen Höllenritt auf einer Piste, die an Straßen aus Kaisers Zeiten erinnerte, und vier endlosen Stunden kamen wir auf der anderen Seite an und atmeten endlich auf. Auf dieser Seite der Einfahrt stand übrigens mit ganz großen Lettern, dass dieser Weg nur für Fahrzeuge mit 4WD zu empfehlen ist. Einerseits machte uns das stolz, auf der anderen Seite bangten wir um so mehr um unsere Freunde. Nachdem die Stunden verstrichen und Nathalie und Adrian immer noch nicht da waren, war klar dass etwas passiert sein musste. Also haben wir telefonisch alles in unserer Macht mögliche veranlasst. Die selbe Strecke nochmal zurückfahren wäre reinster Schwachsinn gewesen, denn im Schlimmsten Fall wären auch wir liegen geblieben. Zudem hatten wir weder Abschleppseil, noch Ersatzrad oder sonstige Ausrüstung für solche Fälle. Am Tag darauf kam endlich die erste SMS von den beiden, dass alles OK sei. Ihr Wagen hat die Bodenhaftung verloren, sich um 180° gedreht aber zum Glück nicht überschlagen. Dabei sind zwei Reifen kaputt gegangen. Mit einem Tag Vorsprung, vereinbarten wir, dass wir uns später in Melbourne nochmal treffen würden.

1.900 Kilometer


Um in den Osten Australiens zu kommen muss man die Nullabor Plain überqueren. Das ist eine sehr lange, Steppenartige und wunderschöne Gegend bei der nur alle 200 Kilometer ein Roadhouse kommt. Den Reservetank immer gefüllt hatten wir nach zwei Tagen Fahrt die Nullabor Plain und die längste gerade Strecke (140 km ohne einer einzigen Krümmung) Australiens hinter uns.

3.000 Kilometer


Kurz vor Ceduna blieben wir das erste Mal liegen, weil wir vergessen hatten den Reservetank auf zu füllen. Ich versuchte vergeblich vorbeifahrende Autos zu stoppen. Manche fuhren im Schritttempo an uns vorbei, andere sausten ungebremst weiter. Das lag bestimmt nicht zuletzt an meiner üppigen Haarpracht und dem Zweimonatsbart. Erst als Franziska den vorbeifahrenden winkte, hielt ein junger, barfüssiger Aussie an und verkaufte uns einen Kanister Sprit. Den Liter Bleifrei gab es für "dolla' sump'n, mate", bis ich verstand er meinte "one dollar something". Also einigten wir uns auf "a dolla' fif'" (eins fünfzig) und Sir Rocket fuhr wieder.

3.300 Kilometer


Wir fuhren vorbei an Streky Bay, wo 1992 der größte Weiße Hai von ein
em 21-jährigen geangelt wurde. Der Monsterfisch misst stolze 5,40m und bekam eine 1:1 Plastiknachbildung im ansässigen Roadhouse. Mit einem nicht erwähnenswerten Abstecher in Port Lincoln und Port Augusta kamen wir abends in Adelaide an. Die letzten Sonnstunden nutzten wir für einen Strandspaziergang und um unsere Wäsche zu waschen.

4.200 Kilometer


Da Silvester nicht mehr weit war und wir zum Umtrunk ins neue Jahr im Melbourne sein wollten, entschieden wir uns nicht länger in Adelaide zu verweilen, sondern schon am selben Abend in Richtung Süden zu fahren. Die Strecke bis zur Great Ocean Road fuhren wir fast ohne Pausen durch. Auf der Great Ocean Road herrschte dann richtige Touristimmung. Jede Menge Backpacker und Surfer die einen Blick auf die dramatischen Felsformationen werfen wollen, oder in den schönen Buchten baden bzw. surfen gehen. Man fährt praktisch 150km direkt am Klippenrand und hat die ganze Zeit eine umwerfende Aussicht auf das Wasser. Kurz bevor man die Great Ocean Road verlässt wird es richtig touristisch und die Strände immer voller. Hier erhascht man auch mit ein wenig Glück einen Blick auf Koalas die in freier Wildbahn auf ihren Eukalyptusbäumen rumsitzen. Da ich fahren musste, hatte Franziska das Vergnügen.

4.400 Kilometer


In Melbourne angekommen, feierten wir mit Anna und Ronja Sylvester im Regen. War aber halb so wild, denn ausser uns waren tausend andere Feierlustige die sich die Stimmung nicht versauen lassen wollten. Eine Woche lang "lebten" wir auf einem Parkplatz, mit öffentlicher Toilette um die Ecke und einem Schwimmbad, dessen Dusche ich kostenfrei nutzen durfte. Die anderen Male "duschten" wir direkt auf dem Parkplatz oder machten ein "Probetraining" im Fitnessstudio :). Pünktlich zu Annas Geburtstag trafen auch unsere schweizer-Freunde in Melbourne ein und verbrachten mit uns zwei schöne Abende voller Musik, Feierei und Adrenalin (Anna hat sich zum Geburtstag einen Fallschirmsprung geschenkt). Da wir Melbourne selbts nicht so toll fanden, haben wir uns noch schnell um den Wagen gekümmert, das Fernlicht und die Klima repariert und auf den Weg nach Sydney gemacht.

5.400 Kilometer


Unterwegs haben wir den Bundesstaat New South Wales kennen gelernt, wie wir ihn nicht erwartet hätten: knallgrün, sehr
hügelig und richtig idyllisch. Mit Heuballen, Kühen auf den Weiden und kleinen Flüssen. Sydney war dafür um so mehr eine Backpackerfeindliche Tourimetropole ohne Parkplätze in der Innenstadt. Dafür aber mit dem berühmten, etwas überbewertetem, Wahrzeichen, der Oper. Aus der Ferne futuristisch und modern anmutend, aus der Nähe eher grau und durch die Gezeiten gezeichnet. Am Tag darauf, meinem Geburtstag, wurde erstmal anständig gefrühstückt, als Geschenk gabs einen schicken iPod und zum Abendessen Muscheln in Weißweinsoße am schönen Darling Harbour. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an Ellen & Tobi für den Essensgutschein, sowie an Saskia & Boris und unsere Familien für die üppigen Geldspenden ;).

6.400 Kilometer


In Surfers Paradise angekommen, begannen wir wieder mit der Jobsuche. Das Glück stand dabei leider nicht auf unserer Seite,
da sich die Feriensaison dem Ende neigte und alle Pubs, Hotels und Supermärkte ihre Aushilfen beisammen hatten. Es hagelte zwei Wochen lang Absagen. Der einzige Strohhalm an den wir uns klammerten, war ein Putzjob im Hotel, mit der Voraussetzung wir würden uns Selbstständig melden, damit der Arbeitgeber keinen Stress mit der Steuerabführung hat. Nach einer endlosen Online-Anmeldung und stundenlangen Telefonaten teilte uns eine Dame eine Woche später mit, dass wir als non-residents keine ABN (Selbstständigennummer) erhalten können. Die Stimmung und unser Anstand war an diesem Tag auf Kellerniveau gesunken. So stürzten wir aus Frust in der Mittagszeit selbstgemachte Weinschorle und legten uns aus Protest an den Strand. Ein kleiner Lichtblick war dann das Treffen mit unseren Freunden Philip und Morris. Ein langer und superwitziger Plauderabend voller Bier, Kalorienreichem Nudelfutter und feinem Bunderbergh-Whiskey in ihrem Palast auf 4 Rädern, war eine willkommene Abwechslung zur sonst so deprimierenden Woche. Gleich am nächsten Tag fuhren wir die letzten Kilometer nach Brisbane um hier unser Jobglück zu probieren. Zeitgleich haben wir Surfers Paradise abgehakt, da die Stadt außer guten Surfspots, Bauch -und Hirnfreien Teens und Ballermanstimmung nicht viel zu bieten hatte.

6.500 Kilometer

Nach anfänglichen Absagen in Brisbane wagten wir eher zufällig den Schritt in ein Backpacker-Jobcenter und wurden sogleich mit offenen Armen empfangen. Unser Glück war, dass wir ein Fahrzeug hatten und so zwei weitere Backpacker zur Gärtnerei mitnehmen konnten, die vier Aushilfen suchte. Eine Unterkunft für 90 Dollar pro Woche inklusive Opossum im Bad wurde ebenfalls gestellt. Wir zogen in das Haus ca. 40 km außerhalb von Brisbane-City ein und am Tag darauf begann auch schon der erste harte 14 Stunden Arbeitstag um 6:30 Uhr. Aber das ist eine andere Geschichte.

sanfte Grüße

die Rumtreiber

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

leave a message after the beep