Nach einem 14 stündigen Aufenthalt in
Rein ins Hotelzimmer, alles sauber, etwas eng aber hauptsache Klimaanlage! Wieder draußen gehts sogleich auf die Fressmeile, genauer gesagt ins Frittierparadies in dem uns alles als Pork oder Chicken verkauft wird. Wir glauben es, lassen uns das Abendessen auf zwei Lilliputanerstühlen schmecken und bezahlen keine 80 Euro-Cent für den Gaumenschmeichler. Während wir uns durch die überfüllten Straßen zwängen, flüstern uns die Tuk-Tuk-Fahrer immer wieder zu: "Pssst, Marihuanha?" Das liegt vermutlich an an unseren vom Schlafmangel gezeichneten, rubinroten Augen.
Beim Frühstück am nächsten Morgen bestelle ich mir einen vietnamesischen Kaffee im Glauben dass er nicht viel anders zubereitet wird als in Deutschland. Man serviert mir eine Tasse mit einem winzigen Schuss Kaffee und dazu extra Milch. Mit zwei Löffel Zucker und im Unwissen dass es sich um süße Kondensmilch handelt, habe ich im Handumdrehen einen Neuartigen Energydrink gemixt der einen Friedhof wecken könnte. Später erfahre ich, dass die Wasserbehälter auf dem Tisch zum verdünnen der Brühe gedacht sind.
Den Erfrischungsdrink am Mittag gönnen wir uns in einem schrillen, von außen recht teuer anmutenden Restaurant. Im inneren geleitet man uns an einen Tisch direkt neben die 10.000 Watt-Boxen, die uns mit einem Mix aus postmoderner Westmusik und asiatischem Technogedudel vollschranzt. Aber dazugehören ist nun mal Alles.
Mit der Zeit lernen wir keine Suggestivfragen zu stellen, da die Antwort im Zweifelsfall immer "Yes" ist. Wir lernen auch dass die ganze Stadt ein großes Urinal ist in der jeder überall seine Notdurft verrichten kann. Da behaupte nochmal jemand Sozialismus und Freiheit vertragen sich nicht. Wir gewöhnen uns auch an das ständige auf-den-Gehweg-rotzen. Anfangs konterte Cornelius nach dem Motto "ab 5 Uhr wird zurück gerotzt" und plazierte die Grünen treffsicher vor den Füßen der Bastarde. Nach einer Weile haben wir aber auch das akzeptiert.
Einen Tag später, fahren wir im bis zum letzten Platz gefüllten Bus zu den berühmten Tunneln von Cu-Chi. Dabei handelt es sich um einen unterirdischen Komplex der den Vietcong als Lebensraum unter feindlichen Linien diente. Nach einem sehr subjektiven und kommunistischen Propagandavideo aus den sechzigern, beginnt die Führung. Für die Besichtigung der Tunnel wurden deren Eingänge extra "aufgebohrt", damit auch ein durchschnittseuropäer hineinpasst. Jene Touris mit überflüssigem Hüftgold oder wie ich mit Klaustrophobie schämen sich im Tageslicht, während die anderen sich im Gänsemarsch durch die Tunnel pressen. Beeindruckende 250km lang sind die Tunnel und beherbergen von Schlafzimmern, Küchen, Toiletten, Besprechungsräume bis hin zu Krankenzimmern alles was "Charly" brauchte um den Krieg zu gewinnen.
Das Abendessen nehmen wir im vierten Stock eines Einfamilienhauses zu uns. Hier verlagert jeder sein Privatleben auf die Straße und kann seine Wohnung mit links in ein Restaurant umfunktionieren. Wir gehen die Treppe hoch vorbei an der Waschküche, Wohnzimmer, Kinderzimmer und Bad und nehmen Platz auf der Terasse, wo ein semiprofessioneller Praktikant unsere Bestellung entgegen nimmt.
Um 11 Uhr am Folgetag hebt unser Flieger ab und wir landen ca. eine Stunde später auf Phu Quoc, der größten Insel Vietnams. Eine Horde aufdringlicher Taxifahrer fällt am Flughafenausgang über uns her, von denen uns jeder zum billigsten und besten Hotel der Insel fahren will. Wir nutzen "die Macht" und treiben mit einer kurzen Handbewegung á lá Obi Wan Kenobi einen Keil zwischen die Angreifer. Tatsächlich schauen die Taxisten für einen kurzen Moment irritiert drein und lassen uns passieren. Später winken wir reumütig einen Fahrer ran, da es zu den Resorts doch einige Kilometer zu laufen wären.
Die nächsten Tage vertreiben wir uns beim Schnorcheln mit eher mäßiger Sicht, beim Squidfishing auf einem alten Kutter und erkunden der Insel per Roller. Es ist sehr interessant die Einheimischen bei ihrem Treiben zu beobachten und eine Insel zu erforschen die hauptsächlich unbefestigte Straßen hat. Man könnte Phu Quoc als interessant, ursprünglich und unerschlossen beschreiben, aber nicht als wunderschön. Der Golf von Thailand hat da ganz andere Perlen im Repertoire.
Eigentlich hatten wir geplant Vietnam einmal rauf oder runter zu fahren. Nach einer hektischen Woche im Süden voller unprofessioneller und nur halbherzig freundlicher Menschen, war für uns klar, dass noch eine Dekade verstreichen muss, bis das Land weiß wie man mit Gästen umgeht. Ursprünglichkeit hin oder her, aber ein einfaches Lächeln macht doch ganz schön viel aus.
Kambodscha (4 Tage)
Nach sieben Stunden, zwei Flügen und grimmig dreinblickenden Passkontrolleuren (diese Leute müssen ihren Job abgrundtief hassen) checken wir in einem zentral gelegenem Hotel in Siem Reap ein. Conny und Effe hat es an die Strände im Süden Kambodschas verschlagen. Beim abendlichen Bummel fällt sogleich auf: die Menschen sind freundlich, der Service besser und man spricht englisch! Wir sind hin und weg vom bunten und lebhaften Treiben auf der Straße, dinieren köstlich und lassen den Abend im Nachtmarkt ausklingen. Bevor wir ins Hotel zurück kehren, machen wir einen Tuk-Tuk-Fahrer klar für anständige 10 Dollar, zur Besichtigung der Tempel.
Unser Fahrer ist pünktlich um 8 Uhr auf der Matte
Wir schaffen es mit Mühe unserem Tuk Tuk Fahrer für den nächsten Tag ab zu sagen, da wir lieber mit Fahrrädern die Stadt erkunden wollen. So weit kommt es dann doch nicht, denn wir sind zu müde und schlafen erstmal richtig aus. Danach bummeln wir durch die Märkte und gönnen uns eine Fußmassage der besonderen Art. Dabei hält man seine Füße in einen Pool voller winziger Fische, während sich diese über unsere geschundenen Füße her machen. Klingt komisch, ist auch so. Wir halten keine fünf Sekunden aus bis wir durch das gekitzel die Füße immer wieder rausziehen. Nach qualvoll kitzeligen 15 Minuten ist die Massage vorbei und die Fische sattgefressen. Lecker :)
Am Abend treffen wir zufällig unseren Tuk Tuk Fahrer und vereinbaren mit ihm einen Termin auf 4:30 am nächsten Morgen, weil wir uns den Sonnenaufgang am Angkor Wat ansehen wollen.
Mit 20-minütiger Verspätung und Alkoholfahne,
Gegen 13 Uhr Mittags verweigert unsere Aufnahmefähigkeit den Dienst, die Augenlider werden schwer und wir lassen uns ins Hotel fahren.
Abends buchen wir, nach einer weiteren Massage, die Weiterfahrt nach Koh Chang, Thailand. Am nächsten Morgen vor der Abreise versuchen wir schnell etwas zum Frühstück zu organisieren und erkundigen uns an einer Frittierbude was es denn so im Angebot gibt. Als wir auch beim zweiten Mal "Cat" verstehen, nicken wir freundlich und verziehen uns. Wir hoffen nach wie vor, dass wir uns verhört haben, aber das wäre eine Erklärung, weshalb die meisten Katzen, auch in Vietnam und Thailand, viel zu kurze Schwänze haben.
Aus einer Busreise werden vier Busse, zwei Minivans, zwei Taxis, eine Fähre und nochmals ein Taxi, bis wir nach 12 Stunden schließlich auf Koh Chang ankommen, wo Conny und Effe bereits auf uns warten.
Thailand (5 Tage)
Am selben Abend laufen wir gemeinsam zur Pussycat Dolls Bar um ein paar Drinks zu kippen. Hier treffen wir zwei deutsche Hansel im Wolfgang Petri-Verschnitt und Schnauzern bei denen jeder US-Cop erblasst. Im Schlepptau sind ihre quickenden Thai-Freundinnen, hinter der Bar eine schrullige Party-Oma die unsere Großmutter sein könnte. Wir fühlen uns wohl, leeren die Drinks und fallen wenig später in einen tiefen Schlaf.
Wir nutzen die Zeit für
Schnorchelausflüge, bei denen wir neben wunderschönen Korallenriffen auch die neueste Bademode der Osteuropäer zu sehen bekommen, lassen eine Synchronmassage über uns ergehen und schauen uns Wasserfälle an. Beim Männerabend kippen wir in einer Open-Air-Bar ein paar Bier, rauchen ein-zwei leckere Wasserpfeifen und torkeln singend Richtung Resort. Unterwegs stoßen wir auf eine Beachparty, genehmigen uns noch einen Drink um abschließend am Strand, mit einer crowd funkiger Partypeople zu den Rhythmen aktueller Elektrobeatz ab zu zappeln. Das ist auch das erste Mal, dass wir einen "Monduntergang" bestaunen, als dieser um 2:30 Morgens am Horizont verschwindet. Alles in Allem, ein einmaliger Männerabend.
Der Weg nach Laos war relativ unkompliziert und manchmal auch durchaus komfortabel. Ein Taxi, eine Fähre, einen Reisebus, einen Nachtzug und ein Tuk Tuk später standen wir vor der Grenze zu Laos.
Laos (7 Tage)
Am Grenzübergang mal wieder unfreundliche Beamte die mürrisch unsere Pässe checken, das Visum reinkleben, einen Stempel drauf setzen und 30 Dollar abzocken. Der "Eintritt" kostet mehr als die Unterkunft in einem anständigen Zimmer. Wir schließen uns mit einer Gruppe von Backpackern zusammen und lassen uns in einem überfüllten Tuk-Tuk, dessen Motor um Gnade kreischt, in die Stadt fahren. Als wir an einem Markt halten, fallen uns fritierte Heuschrecken auf, die ich mir für den nächsten Imbiss vormerke.
Für eine Hauptstadt ist Vientiane relativ verschlafen, ein Paradies für Hippies, Aussteiger und Möchtegernbuddhisten. Wir lassen uns zum x-ten Mal massieren, Franziska die Haare schneiden und decken uns mit eine paar Klamotten ein. Zum Abend dinieren wir ganz und gar nicht Backpacker-like in einem relativ schicken indischen Restaurant. Gleich vier Bedienungen schwirren um uns rum und lesen uns die Wünsche von den Augen. Ich esse das beste Butter-Chicken meines Lebens und bezahle gerne einen stolzen Preis für diesen Gaumenschmeichler.
Der Bus der uns am Morgen darauf abholen soll, kommt mit Einstündiger Verspätung angetuckert und ich verpasse meine Chance die frittierte Heuschrecken zu probieren. Damn! Die Fahrt nach Vang Vieng, das Party und Abenteuermekka Laos', wird zum Schluß der vierstündigen Fahrt eine regelrechte Zerreisprobe für unsere Nerven und Arschmuskeln. Keine zehn Meter Aspahlt ohne einer 90°-Kurve, rauf und runter, dafür aber eine Kulisse wie aus dem Bilderbuch. Unterwegs halten ungeplant in einem kleinen Bergdörfchen, deren Einwohner uns ungläubig bestaunen. Passiert wohl nicht all zu oft, dass ein Bus voller Langnasen in ihrem Bergparadies hält.
Vang Vieng ist voller wilder Partylöwen und kann Abends auch mal ungemütlich werden, weshalb einige Einheimische dieser Stadt auch den Beinamen "Sin City" gegeben haben. Tagsüber ist es sehr gemütlich, weil die Partypeople noch schlafen. Man kann in den lockeren Bars in den Kissen rumlungern, sich Drinks und Snacks bestellen und dabei seine Lieblingsserien (Simpsons, Friends, Scrubs etc.) in der Endlosschleife ansehen. Auf der Straße werden gegrillte Leckereien, Süßigkeiten und herrliche Pfannkuchen für wenige Dollars zubereitet.
Aber die wohl größte Attraktion ist das Tubing.
Zum Abendessen probieren wir die Asiatische Variante von Raclette aus, bei der man Nudeln, Eier, Gemüse und Wasser in einem Metalltrog aufkocht und nebenan Fleisch anbrät. Sofern wir uns nicht all zu Blöd anstellen, würde ich behaupten, dass es nicht Jedermanns Sache ist eine klare Glibbersuppe zu löffeln.
Im Nachhinein wären wir gerne länger in Vang Vieng geblieben, vielleicht auch nur um uns den sechsstündigen Höllenritt über die Berge nach Luang Prabang zu ersparen. Jede Achterbahn gleicht dabei einer Kaffeefahrt.
Luang Prabang ist entspannt, das Clientel nicht so partyfreudig wie in Vang Vieng und hat einige Attraktionen zu bieten. Wir sind vom Reisen mittlerweile aber so müde, dass wir uns zur Stadterkundung regelrecht zwingen müssen.
Zusammenfassend war die Asien-Reise ein voller Erfolg mit vielen schönen Momenten und bleibenden Eindrücken. Es stimmte die Reisezeit, meistens auch der Kosten-Nutzen-Faktor und vor Allem Qualität und Quantität an Erfahrungen.
Beim nächsten Mal würden wir lediglich die Reihenfolge der bereisten Länder ändern und dann aufhören wenn es am schönsten ist.
sanfte Grüße
die Rumtreiber
Hey ihr zwei,
AntwortenLöschenschön endlich davon zu lesen, da ich mittlerweile sowohl Monduntergang als auch 4.stock suppe verdrängt hatte... prima bericht für mein eigenes tagebuch! leider fehlt ein bild mit crocodile-hunter-hut.
Das Mekongufer Bild mit den spielenden Kindern ist deshalb so schön weil es für Effe und mich auch Sinnbild für Laos war, wo so viele Kinder tags und nachts vor allem auf der Strasse die Stadt belebten! Ein wunderschöner Eindruck.
Tolle Reisen und Erfahrungen für 2010 und bis in Bälde! Ich werde mich regelmäßig drum kümmern, dass der Wodka bei den Roths nicht verdunstet, keine Angst!
Cornelius
Hi Eugen,
AntwortenLöschenwir wünschen Dir alles Gute zum Geburtstag. Lasst es euch weiterhin gut gehen in Down Under.
Grüße aus dem verschneiten Karlsruhe
Maren und Johannes