Die Arbeit begann um 6:30 Uhr, was für uns Deluxe-Backpacker Anfangs echt hart war. Die gesamte Mannschaft versammelte sich zur Arbeitseinteilung im Headquarter wo uns Laszlo, ein freundlicher und zotteliger Hippieverschnitt in Armeehosen, in die Kunst der Corniferenzüchtung einwies. Meist mussten wir in Gewächshäusern, korrigiere "Schweißhäusern", mikroskopisch kleine Pflanzenstummel in noch kleinere Löcher stecken. Nach wenigen Stunden der Sysiphusarbeit (95% der Stecklinge gehen ein) waren wir im eigenen Saft gebadet und sahen alles durch einen roten Schleier der Frustration. Um so überraschender war, als alle Neulinge zustimmten bis 20 Uhr durch zu arbeiten. Wir waren eben jung und brauchen das Geld. Erfrischt durch gelegentliche Düngerduschen aus der Bewässerungsanlage, standen wir uns bis spät in den Abend die Beine in den Arsch. Eine willkommene Abwechslung war der Tumult, als wenige Meter weiter eine Brownsnake (zweitgiftigste Schlange der Welt?) vor unseren Augen geköpft wurde. Am Ende des ersten 14-Stundentages brannten uns die Fußsohlen und wir fielen erschöpft ins Bett, in Vorfreude auf den nächsten Tag, denn da war Australia Day, DER Nationalfeiertag.
Australia Day verbrachten wir in Brisbane an einem künstlich angelegten Strand mit Blick auf die Skyline. Leider hatte ganz Brisbane die selbe Idee und so waren Bademöglichkeiten und Strand gepflastert mit glänzenden Leibern. Das Wasser hatte bereits einen sanften Urinton angenommen und in der Luft lag eine feine Brise von Amoniak und Chlor. Weil Franziska immer noch nicht wie 21 aussah, war es auch nicht gerade einfach an Alkohol ran zu kommen, ganz abgesehen davon, ohne Ausweis in eine Bar rein zu kommen. Also lungerten wir auf dem Rasen rum und genossen das lustige Treiben um und über uns.
Am Folgetag machten wir uns wieder an die Arbeit um fleißig Geld für die Weiterreise zu sparen und wieder stand das Angebot bis 20 Uhr zu arbeiten. Immer noch leicht angeschlagen vom ersten Arbeitstag entschied Franziska für die gesamte Backpackergruppe, dass Überstunden, aller Schmerzen und Schweißbäder zum Trotz, sein müssen. An den Folgetagen wurde nur noch Franziska gefragt wie es mit Überstunden aussähe, denn sie war nun inoffiziell der Sprecher der Gruppe.
Mit der Zeit wechselten die Aufgaben. Franziska ist zur Vorarbeiterin aufgestiegen und durfte Aufträge abwickeln und wir Jungs hatten täglich wechselnde Jobs. Angefangen beim Blumenbeete präparieren, Erde schleppen, Löcher bohren, Traktoren aus Urgroßvaters Zeiten fahren, bis hin zum Beziehen neuer Dächer der Gewächshäuser. Der schweißtreibendste aller Jobs war jedoch, Kisten mit Erde in das heißeste aller Gewächshäuser zu schleppen. Drinnen waren es 48°C und gefühlte 99% Luftfeuchtigkeit. Überraschenderweiße bin ich bei diesem Job zur Höchstform aufgelaufen. Das war die Art Schinderei, die ich mir fern des mollig angenehmen Büros, erhofft hatte. Nach 14 Stunden der Plackerei, beim Feierabendbier, war ich froh zu wissen, weshalb ich so gerädert war. Ich schlief wie ein Baby.
Dieser war durch und durch das Erbe des verstorbenen Steve Irwin. Überall waren Poster und Skulpturen von ihm und der Familie. Wir hatten sogar eine zufällige Begegnung mit seiner Frau und ließen uns die Chance auf einen Celebrityschnappschuss nicht nehmen. Beim must-have-Foto mit einem Koala auf dem Arm seufzte die Menge ganz angetan als Franziska den süßen Wollknäuel auf den Arm nahm. Ich vermute wir wirkten wie eine kleine Familie, nur mit einem sehr haarigen Baby. Die Vogel -und Krokodilshow war sehr aufwändig inszeniert und gefiel allen sichtlich. Einzig die Koalashow irritierte uns, als sich eine große Meute Schaulustiger um das Koalahaus versammelte und die putzigen Tierchen aus vier riesigen Lautsprechern vollgelabert wurden. Koalas schlafen ca. 20 Stunden am Tag, sehen schlecht und hören dafür ausgezeichnet. Da ist so eine Beschallung sicher genau das Richtige für ihre pelzigen Dumboohren. Alles in Allem ist der Zoo aber schön aufgemacht, sehr sauber, man kann Känguruhs füttern und sieht schon mal einige rechtsradikale Lizards frei durch den Zoo huschen.
Mit der Zeit erkannten wir, dass unser Haus immer mehr von der Natur eingenommen wird. So hauste bereits vor unserer Ankunft das Possumweibchen Paula in unserem Bad. Sie überraschte einen auf der Toilette und legte stets ihren Schlafzimmerblick auf, wenn man unter der Dusche stand. Hinter dem Haus lebte eine ungefährliche 2-Meter-Teppichpython, in den Bäumen hingen saisonbedingt Flughunde, im Schornstein hausten mehrere Possums und Abends kamen Kröten zum Haus die eine halluzinogene Wirkung haben, wenn man sie ableckt. Im Norden Australiens sind die Kröten eine lustige Partydroge, dort werden sie getrocknet und anschließend geraucht. Den Mäusen im Abstellraum versuchten wir mit Rattenfallen bei zu kommen, die selbst einem ausgewachsenen Grizzly das Genick brechen würde. So krachte es insgesamt vier mal und von da an hatten wir unsere Vorräte für uns allein.
In den letzten Wochen schafften wir es sogar sechs unserer Freunde, die wir vom Reisen oder noch aus Deutschland kannten, einen Job in der Gärtnerei zu vermitteln. So konnten Katrin und Cornelius, das Pärchen das unseren Van "Sir Rocket" gekauft hatte, in unsere Ensuite einziehen und arbeiten, nachdem wir abgeflogen sind.
Die Zeit in Australien war eine sehr schöne
Bevor wir jedoch nach Hause zurückkehren und unser Horizont wieder auf Armlänge schrumpft, machen wir einen zweieinhalb-monatigen Abstecher in die Südsee und die USA. Dann berichten wir aus Neuseeland wieder.
sanfte Grüße
die Rumtreiber
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