Wir landen also auf Tonga. Das Königreich liegt im Südpazifik, an der tiefsten Stelle der Erde, so weit weg von zuhause wie es nur geht und hoffentlich zu weit für All-inklusive verwöhnte Pauschaltouris. Kurz gesagt, wir befinden uns am dem Arsch der Welt. Wir stellen uns einsame Strände in blauem Wasser, herrliche Korallenriffe und freundlichen Einwohner vor (James Cook ist unwissentlich um Haaresbreite dem Kochtopf entwischt und hat den Inseln den Beinamen "friendly islands" gegeben). Nach der Ankunft die Ernüchterung: auch hier gibt es Coca-Cola, Handys, Internetcafés, Discotheken und Ärger, wenn einem danach ist.Die Unterkunft ist, Lonely Planet sei Dank, seit Neuseeland gebucht und am Flughafen erwartet uns bereits Anna, unser Abholservice. Auf der Fahrt zum Guesthouse lassen wir uns eine Inselrundfahrt aufschwatzen, von der wir uns für diesen Preis viel erhoffen. Später weiß ich, ich hätte auf meinen Bullshitsensor hören müssen.
Im Guesthouse Ali Baba angekommen, empfängt uns eine überaus nette Frau mit ihrem kleinen Sohn. Um erste Eindrücke zu sammeln laufen wir ins Stadtinnere und bummeln durch den Markt, wo ein paar Omis die Früchte ihrer Gärten und Fisch verkaufen. Freilaufende Schweine gehören genauso zum Bild der Stadt wie Hunde. Alles bis auf den modernen Backpackerumschlagplatz Friends Café läuft gemütlich seinen Gang. Sehr gemütlich. Nur wenige Fischerboote schaukeln im Wasser, ab und an fährt ein LKW an uns vorbei der den Eindruck von "Industrie" erweckt und in den Hinterhöfen brennt langsam der Unrat vor sich hin. Es gibt zwar eine Mülldeponie, aber da muss man ja hinfahren. Auf den ersten Blick ist Tonga oder zumindest dessen Hauptstadt Tongatapu kein typisches Südseeparadies.
Auf dem Weg zurück zum Guesthouse
Den darauffolgenden Tag holt uns Annas Ehemann zur Inselrundfahrt ab. Das Problem ist, der Gute kann kaum englisch und Anna ist nicht wie besprochen dabei. Zusammen mit einem norwegischen Pärchen tuckern wir über die Hauptinsel, schauen uns die Blowholes, Flughunde, Plantagen und den Königspalast an.... und das war dann auch schon alles. Tonga scheint der Tourismus am Allerwertesten vorbei zu gehen und das merkt man. Nur vier Stunden später ist der "Tagestrip" vorbei und wir umgerechnet 40 Euro ärmer. Meine Bullshitsensoren hatten mich ja gewarnt.
Zurück im Guesthouse, bucht unsere freundliche Gastmutter eine Unterkunft für uns. Irgendwo auf einer der über 180 winzigen Inseln, vielleicht finden wir da den perfekten Strand. Am gleichen Abend schlendern wir mit den Norwegern zu einer Bar die stark von Touristen frequentiert wird. Wir treffen hier auf Ronny, einen gesprächigen Oldtimer und Kampftrinker aus Schweden und den überaus interessanten John McClane. Nein nicht der aus "Stirb Langsam", wobei so ein Name durchaus seine Vorteile hat. So durfte er umsonst Bungee springen, weil er im freien Fall "Yippee-ki-yay, motherf***" gerufen hat :).
Während Ronny ein Bier nach dem anderen vernichtet erklärt uns John, dass er gerade an seiner Doktorarbeit schreibt, die von der Ausbreitung der Spanischen Grippe im Pazifik handelt. Knapp ein Jahr lang ist er auf den Inseln unterwegs, recherchiert und schreibt ein wenig und den Rest der Zeit lässt er die Seele baumeln. Das Ganze auf Staatskosten.
Als dann spät abends die Rechnung kommt, kippt der gute Ronny beinahe vom Stuhl als er merkt, dass er 16 Biere bezahlen soll. Seine Leber hat zwar bereits 'ne dicke Hornhaut, aber so viel hat er nun auch wieder nicht getankt. Nach einigem Diskutieren wird die Lage Unruhig und man bittet uns mit einer klaren Handbewegung den Laden zu verlassen. Türstehertypen im Kleiderschrankformat funken uns Signale, dass jede weitere Diskussion unausweichlich im Fresse polieren endet. Da Alkohol hin und wieder Dämonen gebiert und der Rausch diese noch auf Autopilot schaltet, räumen wir zu Ronnys Schutz lieber das Feld.
Unsere Laune ist am nächsten Morgen
Wir überfliegen viele winzige und unbewohnte Eilande und die Aussicht ist, wie in einem Bilderbuch, einfach phänomenal! Etwa zwei Stunden später landen wir auf einem winzigen Flugplatz auf der Insel Foa. Die Landebahn wird nur einmal am Tag frequentiert und kreuzt die einzige Hauptverkehrsstraße der Insel. In dieser Zeit regelt ein verbogenes Metallgitter den Verkehr zwischen Autos und Flugzeug. Eines der zwei Inseltaxen holt uns ab und bringt uns zum Resort. Das Taxi sieht stark mitgenommen aus, eigentlich ist es mehr ein Fahrzeuggerüst als ein vollständiges Auto. Wir sitzen auf Sprungfedern und könnten mit unseren Füßen bremsen, wenn wir sie durchs hauchdünne Blech stoßen. Keine Fensterkurbel, keine Gurte, das Interieur ausgeschlachtet, aber es fährt. Angekommen in der Matafanoa Lodge beziehen wir ein richtig stylisches Bungalow direkt am Wasser. Ausser uns sind noch zwei Pärchen, die beiden Besitzer und ihr Hund da. Wir befinden uns am nördlichsten Zipfel der Insel und können uns aussuchen ob wir auf der raueren Westseite oder lieber auf der ruhigen Ostseite des Strandes chillen wollen. Außer uns ist da nur der zutrauliche Hund und wir können unser Glück kaum fassen, so bombastisch schön ist es hier! Dank der bunten Korallen hat das Wasser sämtliche Farben von azurblau bis hin zu smaragdgrün. Wir haben unsere Pazifikperle gefunden.
Die kommenden zwei Tage verbringen wir
So vergehen auch diese zwei Tage leider viel zu schnell, wir fliegen wieder zurück auf die Hauptinsel und quartieren uns im gleichen Guesthouse wieder ein. Am Ostersonntag, besuchen wir zusammen mit der Gastmutter, den Gottesdienst und haben das unbeschreiblich riesige Glück direkt dem König von Tonga gegenüber zu sitzen. Und man kann das durchaus als einen Sechser im Lotto werten, denn der König selbst hält sich für einen Briten und verbringt sowieso die meiste Zeit in Oxford. Zur Feier des Tages ziehen die Einheimischen die traditionellen Bastmatten an und manch einer gleicht dadurch noch mehr einer Tonne. Der Gottesdienst ist begleitet von Gänsehautgesang der Einheimischen und wir hören zum ersten mal die "Extended Version" des Vater-Unser. Zum Abschluss kommen alle zum Altar um einen Schluck Traubensaft sowie ein Stückchen Brot entgegen zu nehmen.
Am letzten Tag lassen wir uns von Anna
Grüße
die Rumtreiber
Mein lieber Schwan, Du bist schon ein taffer Hund ;-).
AntwortenLöschenHab gut gelacht über den Text, sehr interessant! "Bullshitsensor" - wie geil ist das denn?
"Extendet Version vom Vater-Unser" ... *schmunzel*.
Danke, war gut zu lesen und sehr Kurzweilig!